Ökologie in der Kulturlandschaft                                          - das Gleichgewicht finden

Es ist Sonntagmorgen, die Sonne lacht und lädt ein zu einem Ausflug in die unberührte Natur.

Das Problem: wo finden wir die?

Gemäß Definition verwandeln sich Naturlandschaften in Kulturland, sobald der Mensch beginnt, sie zu formen. Das bedeutet, dass wir Felder, Knicks, Brachen und Forsten als Ausflugsziel streichen können. Was übrig bleibt, sind Gewässer, Parks, Gärten. Aber auch die sind alle von Menschenhand durchdesignt. Optimiert, um den Ansprüchen der Erholung, des Sports, der Ästhetik zu entsprechen. Also auch Fehlanzeite.

Schauen wir jetzt mal auf den Stadtplan, dann bleiben Ausgleichsflächen, Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Allerdings wird auch hier nichts dem Zufall überlassen. Landschaftsplaner und Ökologen erarbeiten für diese Flächen strenge Pläne und Programme, die den Umgang mit Tieren und Pflanzen regeln.

Also nichts mit unberührter Natur. Schade.

 

Das sieht allerdings nicht jeder so:

Tiefenentspannt führte 2012 Wildschwein "Öcke" ihre Frischlinge auf einer Pferdeweide mitten in Lübeck spazieren.

Und das ist keine Seltenheit: Wildschweine haben den städtischen Raum und die intensive Landwirtschaft als bevorzugten Lebensraum erschlossen, denn es ist für sie wie das Schlaraffenland: Lebensmittelabfälle, reichlich Deckung und reichhaltige Maisfelder, soweit das Auge reicht.

Aber auch das Reh und der Hase haben die Vorteile offener Kulturlandschaften für sich entdeckt: Als Fluchttiere haben sie hier alles im Blick und sehen schon von weitem, wenn Gefahr droht.

Bei verlassenen Rehkitzen ist Vorsicht geboten:

Die Ricke legt ihr Kitz da ab, wo sie es in Sicherheit glaubt und entfernt sich, um Raubtiere nicht darauf aufmerksam zu machen.

Oft werden diese Kitze von Spaziergängern "weggefunden". Haftet jedoch ersteinmal menschlicher Geruch an dem jungen Reh, erkennt die Mutter es nicht mehr als das ihre und das Kitz muss zugrunde gehen oder vom Jäger mühsam aufgezogen werden. Zurück in seinen Lebensraum kann es nicht mehr.

 

Kulturfolger haben beste Vorraussetzungen, in einer Kulturlandschaft zu bestehen. Probleme lauern aus einer anderen Richtung: Eine zu dichte Population einer Art verdrängt weniger dominante Arten und gefährdet die Artenvielfalt. Zu sehen ist dies am Rückgang der Rebhuhnbestände, die mit der fortschreitenden Verbreitung des Fuchses einhergeht.

 

Außerdem steigert sie das Risiko von Seuchen, wie der Aujeszkyschen Krankheit bei Wildschweinen. Sie gefährdet nicht nur die gesamte Wildschweinpopulation, sondern auch Hausschweine, Hunde und sämtliche Alles- und Aasfresser wie Fuchs oder Marder. Gleiches gilt für den Trichinen-Befall, der sogar den Menschen gefährdet.

 

Bei Überbesatz spüren die Tiere die erhöhte Konkurrenz um Nahrung, Lebensräume und Partner, sodass sie dauerhaft unter Stress stehen.

Hinzu kommt das Wanderungs- und Paarungsverhalten, das besonders Rehe während der Dämmerungszeiten in Spätsommer und Herbst oft zu Verkehrsopfern macht.

Um die Bestände gesund zu erhalten und Tierleid zu verhindern, darf der Besatz nicht überhand nehmen. Dazu werden die Populationen beobachtet und erfasst. Aus diesen Daten werden durch die Jagdbehörde Abschusspläne entwickelt, die die Jäger umsetzen.